Künstliche Intelligenz ist längst im Fundraising angekommen. Für viele NGOs stellt sich deshalb nicht mehr die Frage, ob sie sich damit beschäftigen, sondern wie.
Wo lohnt sich der Einsatz von KI wirklich? Wo liegen Grenzen – etwa beim Datenschutz oder bei der persönlichen Spenderkommunikation?
Wir zeigen, wo KI im Fundraising heute sinnvoll unterstützen kann und wie Organisationen den Einstieg praktisch angehen.
Was bedeutet KI im Fundraising?
KI im Fundraising bedeutet, dass Organisationen Tools wie ChatGPT, Claude oder Microsoft Copilot einsetzen, um Informationen schneller zu verarbeiten, Ideen zu entwickeln, Inhalte vorzubereiten oder wiederkehrende Aufgaben effizienter zu erledigen.
Wichtig dabei: KI ersetzt keine Fundraising-Strategie. Sie unterstützt Prozesse – die strategischen Entscheidungen bleiben beim Fundraising-Team.
1. Ideen und Kampagnen entwickeln
Gerade in der Konzeptionsphase kann generative KI ein hilfreicher Sparringspartner sein. Sie kann unter anderem:
- Kampagnenideen entwickeln
- Claims und Headlines vorschlagen
- Kommunikationsansätze durchspielen
- Ideen für Spendenanlässe liefern
- Maßnahmen für unterschiedliche Zielgruppen entwickeln
Je genauer Ziele, Zielgruppen und Rahmenbedingungen beschrieben werden, desto hilfreicher sind in der Regel die Ergebnisse. Welche Idee wirklich zur Organisation und ihren Unterstützer:innen passt, muss jedoch das Fundraising-Team entscheiden.
2. Texte schneller erstellen und optimieren
Der naheliegendste Einsatzbereich ist die Unterstützung bei Texten. KI-Tools können helfen bei:
- ersten Entwürfen für Newsletter, Social-Media-Posts oder Spendenaufrufe
- der Variation von Botschaften für unterschiedliche Zielgruppen
- dem Umschreiben von Texten in verschiedenen Tonalitäten
- der Erstellung von Briefings und Gliederungen
Wichtig dabei: KI ersetzt nicht das persönliche und menschliche Storytelling, das im Fundraising den Unterschied macht. Sie ist ein Werkzeug für den ersten Aufschlag. Die emotionale Feinarbeit, echte Fallgeschichten und die Stimme der Organisation bleiben Aufgabe der Menschen dahinter.
Aus unserer Projekterfahrung zeigt sich: Der größte Fundraising-Nutzen entsteht nicht durch möglichst viel KI, sondern durch wenige, gut geprüfte Anwendungsfälle, die konsequent in bestehende Prozesse eingebettet werden.
3. Zielgruppen besser verstehen
KI kann helfen, vorhandene Erkenntnisse über Zielgruppen zu strukturieren und neue Hypothesen zu entwickeln, etwa zu:
- Personas
- Bedürfnissen und Fragen verschiedener Zielgruppen
- Kommunikationsbarrieren
- unterschiedlichen Botschaften je Zielgruppe
- der Donor Journey
Wichtig ist dabei die Unterscheidung zwischen Hypothese und echten Daten: Eine von KI erstellte Persona ist ein Arbeitsmodell, keine empirisch belegte Beschreibung der tatsächlichen Spender:innen. Sie sollte an vorhandenen Daten und Erfahrungswerten gespiegelt werden.
4. Daten und Kampagnen analysieren
Viele NGOs verfügen über zahlreiche Daten zu Website-Nutzung, Newsletter-Klicks, Conversion Rates oder Spenden, nutzen sie aber nur teilweise. KI kann dabei helfen, Muster zu erkennen und Fragen zu beantworten wie:
- Welche Kampagnen führen tatsächlich zu Spenden?
- Wo brechen Nutzer:innen im Spendenprozess ab?
- Welche Inhalte führen zum Spendenformular?
- Welche Spender:innen sind abwanderungsgefährdet?
- Welche Kontakte haben ein hohes Potenzial für Großspenden?
Diese sogenannten Predictive-Analytics-Ansätze ermöglichen es, Ressourcen gezielter einzusetzen. KI kann Daten strukturieren und Auffälligkeiten sichtbar machen. Die fachliche Einordnung der Ergebnisse bleibt aber Aufgabe des Teams.
5. Spenderkommunikation personalisieren
Statt allen Unterstützer:innen dieselben Inhalte zu senden, kann KI dabei helfen, Kommunikation auf unterschiedliche Zielgruppen und Phasen der Donor Journey zuzuschneiden, etwa für Neu-, Dauer- oder ehemalige Spender:innen:
- individuell zugeschnittene E-Mail-Inhalte je nach Spenderhistorie
- dynamische Anpassung von Betreffzeilen und Call-to-Actions
- automatisierte, aber persönlich wirkende Dankesnachrichten
- Segmentierung von Zielgruppen in Echtzeit
Das Ziel sollte dabei nicht mehr automatisierte Kommunikation sein, sondern relevantere Kommunikation. Denn Fundraising bleibt Beziehungsarbeit.
6. Chatbots und interne Prozesse entlasten
KI kann sowohl in der Spenderkommunikation als auch intern entlasten.
Chatbots können beispielsweise häufige Fragen beantworten oder beim Spendenprozess unterstützen. Intern lassen sich Meetings zusammenfassen, Briefings vorbereiten, Recherchen strukturieren oder Präsentationsentwürfe erstellen.
Gerade kleinere NGOs können so Zeit für strategische und persönliche Fundraising-Arbeit gewinnen.
7. Datenschutz und Verantwortung mitdenken
Im Fundraising werden sensible und personenbezogene Daten verarbeitet. Diese sollten nicht unkontrolliert in öffentlich verfügbare KI-Systeme eingegeben werden.
Organisationen sollten deshalb klären:
- Welche KI-Tools dürfen eingesetzt werden?
- Welche Daten dürfen verarbeitet werden?
- Welche internen Regeln gelten?
- Wer prüft KI-generierte Inhalte?
Eine interne KI-Guideline kann Orientierung schaffen. Grundsätzlich gilt: KI-generierte Ergebnisse müssen geprüft werden, bevor sie veröffentlicht oder an Spender*innen ausgespielt werden.
Wo KI im Fundraising an ihre Grenzen kommt
So hilfreich KI sein kann: Fundraising bleibt Beziehungsarbeit. Vertrauen aufbauen, sensible Geschichten erzählen, strategische Entscheidungen treffen und langfristige Beziehungen zu Spender:innen entwickeln – all das lässt sich nicht an ein KI-System delegieren.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: „Was können wir durch KI ersetzen?“, sondern: „Wo kann KI unser Fundraising sinnvoll unterstützen?„
So können NGOs mit KI starten
Für den Einstieg braucht es keine umfassende KI-Strategie. Sinnvoller ist es, klein zu beginnen:
- Einen konkreten Anwendungsfall auswählen.
- Ein geeignetes Tool testen.
- Ergebnisse und Zeitersparnis prüfen.
- Gute Prompts und Workflows dokumentieren.
- Funktionierende Anwendungen schrittweise ausbauen.
So wird KI nicht zum Selbstzweck, sondern zu einem Werkzeug mit konkretem Nutzen.
Fazit: KI als Werkzeug, nicht als Selbstzweck
Künstliche Intelligenz kann NGOs dabei unterstützen, Fundraising-Prozesse effizienter zu gestalten, Inhalte schneller zu entwickeln und Kampagnen gezielter auszuwerten, von der Ideenfindung über die Texterstellung bis zur Datenanalyse.
Entscheidend ist die Kombination aus Technologie, Fundraising-Know-how und menschlicher Erfahrung: KI liefert Unterstützung, aber Strategie, Bewertung und Beziehungsarbeit bleiben beim Menschen.
Wie kann KI dein Fundraising unterstützen?
Birgit Hubner berät dich gerne bei allen Fragen rund um den sinnvollen Einsatz von KI im Fundraising und bei der Umsetzung konkreter Anwendungsfälle. Ruf einfach an (089 211 129-0) oder sende uns eine Mail (hubner@gallafilz.com).
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